Wednesday, June 4, 2014

Flyvergrillen in Kopenhagen: Spot the Spotters!

Flyvergrillen Pariser bøf - Danish Comfort Food
Quiiiietsch-Quiiiiietsch-Quietsch, das erste Geräusch, was einem bei Flyvergrillen empfängt, ist das nervtötende Quietschen der Schaukeln auf dem Spielplatz. Die sind heute im Dauereinsatz, denn während sich der Blick der Erwachsenen erst magnetisch auf die Speisekarte, dann hypnotisch auf die Landebahn des Kopenhagener Flughafens richtet, ist den Junioren derbe langweilig.

Gut, der Thrill, der vom "Plane Spotting" ausgeht, erschließt sich mir auch nicht richtig. Ich spotte aber gerne Spotter. Ich bin sozusagen ein Fan des Meta-Spottings. Genau deshalb wollte ich auch so gerne hierher. "Flyvergrillen" ist eine Institution, ein Fast-Food-Schuppen und Kult-Imbiss gelegen am Rollfeld des Airports in Kopenhagen. Gesundes Essen gibt es hier nicht. Dafür anderen geilen Scheiss.

Vor Jahren habe ich eine Reportage in der Effilee über Flyvergrillen gelesen. Eine von den Geschichten, die man nicht vergisst, weil sie so unglaublich gut geschrieben ist. Ich wollte das einfach mit eigenen Augen sehen. Mein erster Kopenhagen-Besuch wurde also gleich (m)eine Wunscherfüllungsgeschichte.


Flyvergrillen Copenhagen Entry
Flyvergrillen liegt echt verdammt ab vom Schuss. Am Arsch der Heide könnte man auch sagen. Es fährt irgendwie auch ein Bus, aber wenn man Sonntags (hier!) hinfährt, dann ist der Bus auch keine große Hilfe. Da ich in Begleitung eines Einheimischen war, konnte ich mich wenigstens nicht verlaufen. Gelaufen wurde aber viel. Nach Ankunft mit der Bahn am Airport Kopenhagen noch mindestens 30 Minuten.



Flyvergrillen Öffnungszeiten                              Dieser Ort ist überhaupt nicht fancy. Null Komma Null! Er ist irgendwo zwischen den 70er und 80ern optisch klebengeblieben und das ist verdammt großartig. Nachdem ich außer dem Artikel damals auf jegliche Zusatz-Informationen verzichtet habe, war ich restlos begeistert, denn meine Vorstellung deckte sich mit der Realität 100%.



Flyvergrillen-Copenhagen
Die Menükarte ist ausschließlich auf Dänisch. Das macht aber nix, es gibt eine Hilfestellung, denn alle Gerichte sind (insofern man sie optisch identifizieren kann) abgebildet.



Flyvergrillen-Copenhagen-Menu
Da mich das hochkalorische Angebot restlos überforderte, besann ich mich auf mein "Don't argue with the locals" Reisemotto und ließ den Kopenhagener aussuchen. Er entschied sich für Pariser Bøf. Das sah schon auf dem Bild so absurd aus, dass ich etwas verdutzt guckte. Aber die Antwort war "Trust me. You want this".



Flyvergrillen Burger and Fries
Für alle, denen nicht ganz klar ist, was da auf dem Teller ist. Pariser Bøf ist dänische Hausmannskost und besteht im Detail hieraus: ein immens großes Stück Fleisch auf fettigem Toast-Brötchen, dazu Meerretich, Rote Beete, Zwiebeln, Kapern, Mixed Pickles und ein rohes Eigelb. Die Kunst ist, so wies mich der Einheimische in das Geheimnis dieses Gerichts ein, das man aus dem ganzen Klimmbimm mit Hilfe des Eigelb eine Masse fabriziert, die auf dem Fleisch bappen bleibt.



Flyvergrillen My messy lunch
Wie man hier sehr schön sieht, ist das nicht so einfach! Die Pommes sind übrigens ausgezeichnet!




Flyvergrillen Copenhagen Playground                                 Das Dänische Koma-Essen ist eine hervorragende Grundlage für das Flugzeuge-Anstarren.


Flyvergrillen Copenhagen Airport                                Von der Aussichtsterasse hat man einen Blick auf ständig startende Flugzeuge. Viel interessanter sind für mich natürlich die Leute, die sich das angucken. Von adipösen Familien mit Fast-Food-Hintergrund bis zu hochprofessionellen Spottern mit einer Kameraausrüstung, auf die jeder Pressefotograf neidisch wäre, ist alles dabei. Touristen habe ich übrigens keine ausmachen können.


flyvergrillen-copenhagen-airport
Und wer jetzt denkt: Alter, was guckt die sich eigentlich an? Seit dem Jahr 2010 gehört Flyvergrillen offiziell zu den Kulturgütern Dänemarks. HA! Kultur MIT Pommes! Möchte das jemand überbieten?

 

Wen es interessiert: Flyvergrillen (zu Deutsch  "Flieger-Grill")

Diese Reise wurde nicht gesponsert und ich habe das tatsächlich gegessen.

4 comments:

  1. Waren die Pommes denn gut? Ich esse in Dänemark immer nur auf der Rødby-Puttgarden-Fähre Pommes und die sind meistens bestenfalls medium, aber immerhin muss man dann keine Extrapause machen, die Fahrt von Schweden nach Deutschland ist immer schon lang genug. Aber die Preise sind frech, oder? Ich meine, wir sprechen hier, trotz allem, über Fast Food. Dein einheimischer Begleiter war nicht zufällig Kristian (Autor des Effilee-Artikels)? Den kenn ich nämlich aus meiner Kopenhagen-Zeit.
    Auf Amager gibt es auch noch das sehr heimelige Café Sylten bei Dragør (malerisches Dörfchen direkt am Öresund, früher ging von dort die Fähre nach Malmö), ist auch so ein Einheimischen-Geheimtipp, allerdings schon gehobener (und natürlich noch teurer) und mit dem gleichen Hinkommproblem. Es gibt einen Bus, aber wann der geht, von wo aus, wo man aussteigen muss und wie man dann durch die Pampa weitergehen muss – zur Lösung dieser Probleme braucht man definitiv einen Einheimischen: http://www.sylten.dk/Cafe_Sylten/Forside.html

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    1. Die Preise sind in der Tat sehr sehr krass, ich hab mir das Umrechnen verkniffen, um nicht jeden Pommes fünf Minuten zu kauen. Die Pommes waren übrigens gut! Nur die komische Mayo dazu war nicht so meins.

      Nein, das war nicht Kristian, den Autor kenne ich leider nicht (bin aber Fan ;) Das Cafe wäre bestimmt total was für mich. Aber ohne Auto mache ich so eine Landpartie nicht noch mal, meine Füße erholen sich immer noch von der Latscherei.

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  2. Die Geschichte über Flugzeuge-anstarren hat mich soeben ordentlich belustigt. Ich mag Deinen Blog! :D
    Sonnige Grüße aus Kiel
    Sebastian

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  3. Oh, Dankeschön :) Das freut mich. Sonnige Grüße aus Hamburg!

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